Montag, 15.10.2018
14:25 Uhr


Kino / Portraits

Der Vater aller Schlagershows

Dieter Thomas Heck vollendet am 29. Dezember sein 80. Lebensjahr

Eigentlich heißt er ja gar nicht Dieter Thomas Heck. Sondern Carl-Dieter Heckscher. Und das mit dem Thomas als zweitem Vornamen war sowieso nur reiner Zufall. Genauso wie der Erfolg im Fernsehen. Doch Zufälle allein starten keine Show-Karriere wie der legendäre Dieter Thomas Heck sie hingelegt hat. Zum Glück gehört nämlich immer auch eine ordentliche Portion Talent. Und über dieses verfügte der Moderator zweifelsohne: Der Schnellsprecher mit dem zackigen Moderationsstil und der tiefen Stimme stand für das Zweite Deutsche Fernsehen fast 40 Jahre auf der Fernsehbühne und moderierte im ZDF rund 600 Shows mit seinem eigenwilligen, markanten Stil. Von Krankheit und Alter schwer gezeichnet, verbringt er nun seinen Lebensabend gemeinsam mit seiner großen Liebe Ragnhild an der spanischen Mittelmeerküste, wo er am 29. Dezember sein 80. Lebensjahr vollendet.

"Hier ist Berlin!" - Dieter Thomas Heck stand über Jahrzehnte hinweg synonym für das "Zett-Dee-Eff", wie er es stets markant in seiner Moderation betonte. Wie kein Zweiter galt er als Gesicht des Mainzer Fernsehsenders und begeisterte Millionen von Zuschauern mit Shows wie "Die ZDF-Hitparade", "Die Pyramide", "Die Goldene Stimmgabel" oder "Melodien für Millionen". Gerade über die letztgenannte Wohltätigkeits-Show konnte er die menschenfreundliche, karitative Seite seines Wesens immer wieder hervorkehren: In der musikbetonten Spendengala zu Gunsten der Deutschen Krebshilfe wurden Menschen, die sich seit Jahren aus den Augen verloren hatten, wieder zusammengeführt. Zuschauerspenden garantierten Einnahmen in Millionenhöhe. "Gute Unterhaltung zusammen mit Hilfe ist etwas Wunderbares" - Hecks Credo zeichnete ihn nicht nur als Entertainer, sondern vor allem auch als Menschen aus.

Der gelernte Automobilverkäufer ergatterte sein erstes Radioengagement im Südwestfunk, weil er in einem Interview sein Gegenüber in Grund und Boden geredet hatte. Die Karriere ging weiter als Diskjockey bei Radio Luxemburg, wo Heck durch einen Aufruf in der "Bravo" zu seinem Zweitnamen Thomas kam - Charly und Dieter waren bereits vergeben, und so wurde der "Diskjockey ohne Namen" zu Dieter Thomas Heck. Sein Weg führte ihn zur Europawelle Saar, wo er dem Radio- und TV-Regisseur Truck Branss auffiel. Dieser mochte zwar die Musik in Hecks Format "Die deutsche Schlagerparade" nicht sonderlich, doch sein Stil und sein Erfolg machten ihn hellhörig. Die beiden entwickelten "Die ZDF-Hitparade" - der Rest ist (Erfolgs-)Geschichte.

mehr Bilder

Hecks Verdienste um die deutsche Schlagermusik und deren Popularität sind nicht von der Hand zu weisen. Man mag von diesem Musikstil halten, was man will, doch man muss neidlos anerkennen, dass Heck das deutsche Fernsehen von 1969 bis weit in die 90er-Jahre hinein maßgeblich geprägt hat. Einer ganzen Ära hat er seinen Stempel aufgedrückt. Als streitbarer, aber professioneller Entertainer, der sich nie scheute, seine Meinung zu sagen, bleibt er in Erinnerung. Und als Showmaster, der vom Wir mehr hielt als vom Ich: "Und dieses Wir sollte man nicht einfach nur sagen, sondern das muss man hier im Herzen tragen. Und das muss man auch fühlen." Gefragt nach den wichtigsten Menschen im Laufe seiner Karriere, nannte Heck sein Team hinter den Kulissen, mit dem er teilweise jahrzehntelang gemeinsam gearbeitet hatte. "Man muss die Menschen lieben", sagte er einst.

Nach seinem Rückzug von der großen Moderationsbühne übernahm Heck auch in den "Nullerjahren" noch in mehreren Fernsehfilmen kleine Schauspielrollen, unter anderem in der Sendung "Die Rosenheim-Cops". Doch er hatte auch vermehrt mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen: Diabetes, Herz- und Lungenprobleme machen dem Entertainment-Dino seit Jahren schwer zu schaffen. Bei der Verleihung der Goldenen Kamera für sein Lebenswerk im März 2017 war er sichtlich angeschlagen. Doch auch wenn Hecks Dankesrede leicht vernuschelt war, man muss Howard Carpendale zustimmen, der ihn als "Boss" und "Showbiz-Koloss" adelte, als er gemeinsam mit Max Giesinger, Roberto Blanco und Barbara Schöneberger ein Ständchen auf das Fernseh-Urgestein anstimmte.

Bis zu 20 Millionen Zuschauer konnte Heck zu seinen Glanzzeiten mit der "ZDF-Hitparade" vor die Fernsehapparate locken, sein legitimer Nachfolger Florian Silbereisen schafft heute maximal noch ein Drittel davon. Das ist nicht wirklich schlecht, doch die Zeiten haben sich eben geändert. Nur nicht der Dieter, der Thomas, der Heck - der ist sich über all die Jahre hinweg treu geblieben, er bleibt in Erinnerung aufgrund seiner Liebe zum Schlager, zu den Menschen und zum ZDF. Der Sender ehrt ihn am Samstag, 30. Dezember, ab 00.20 Uhr, mit zweieinhalb Stunden "Die ZDF-Kultnacht - Das Beste aus der "Hitparade". 183-mal hatte er die Show moderiert, mit seinen typischen Koteletten, der Brille, den bunten Pop-Krawatten. "Nur was man mit dem Herzen rüberbringt, gelingt", sagte er, und eine beeindruckende Karriere ist ihm gelungen, ohne jeden Zweifel. Dass Heck dem Moderator Steven Gätjen bei der Goldenen Kamera 2017 erklärte: "Ich hab nur einen wahnsinnigen Durst", muss letztendlich daran gelegen haben, dass ihm nie jemand das Wasser reichen konnte. Happy Birthday, Dieter Thomas Heck.

Markus Schu

Quelle: "teleschau - der mediendienst"


Versenden Drucken

Weitere Artikel


Film-Starts

Film-Archiv

Suche im Radio Berg Film-Archiv anhand eines Titels oder eines Darstellers nach Filmkritiken.

  
DVD-Filme

Erfahre mehr über die neu erschienenen DVDs in den aktuellen Besprechungen.

Ticketshop

Sicher Dir im Radio Berg Ticketshop die Tickets Deiner Wunschveranstaltung!

Anzeige
Zur Startseite