Musik / CD

Franz Ferdinand: Always AscendingDer Zahn der Zeit

Man will nicht wie ein ewig Gestriger klingen, aber es ist eben so: Noch heute denkt man unweigerlich zuerst an "Take Me Out", wenn der Bandname Franz Ferdinand fällt. Die Veröffentlichung der stampfenden Brit-Pop-Nummer und der damit verbundene sehr frühe Karrierehöhepunkt der Band aus Glasgow liegen mittlerweile satte 14 Jahre zurück. In der Dekade danach büßten Franz Ferdinand zwar nichts von ihrer Qualität ein, aber sie wurden uninteressanter. Daran konnte auch eine zwischenzeitliche Zusammenarbeit mit den Sparks nicht viel ändern. Der Zahn der Zeit aß sich an Franz Ferdinand satt, während die Indie-Discos nach und nach auf der Liste der bedrohten Clubs landeten. Das fünfte Studioalbum "Always Ascending" fühlt sich an wie ein Relikt aus dieser Epoche: nicht zwangsläufig angestaubt, aber eben null progressiv oder modern.

Auch wenn es zuletzt ein paar personelle Veränderungen gab (Gründungsmitglied Nicholas McCarthy stieg 2016 aus): Das Dilemma des neuen Albums lässt sich mit Ausnahme zweier Songs am Ende der Platte an der Wiederholung des Altbekannten festmachen. Sänger Alex Kapranos erdet mit seiner familiären Stimme langweilige Songs, die eigentlich das absolute Gegenteil von Erdung gebraucht hätten. Auch wenn der Albumtitel etwas anderes ankündigt: Auf "Always Ascending" hebt absolut gar nichts ab.

Der Titelsong versucht sich in die Disco zu schleichen, klingt aber wie eine B-Seite des letzten Arcade-Fire-Albums in der Entzugsklinik. "Paper Cages" ist eine höhepuntklose Gitarrennummer, die leider auch schon 2004 langweilig gewesen wäre. Zeilen wie "Finally I found my people, found the people who were meant to be found by me" ("Finally") klingen in der Theorie nach einer versöhnlichen Hymne, bei Franz Ferdinand anno 2018 aber eher nach Freitagabend-auf-der-Couch-einschlafen. Kurz wird man hellhörig, wenn es heißt: "The Academy Award for good times goes to you". Das ist so cheesy, dass es mit seiner humorvollen Überzeichnung ein ikonischer Satz sein könnte, wird dann aber auch wieder von einem langweiligen Song verschluckt. "Huck and Jim" täuscht dann einen halb gerappten Part von Kapranos an und mausert sich - endlich! - zu einem guten Rock-Song.

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So richtig spannend wird es aber eben erst ganz spät. "Feel The Love Go" traut sich an den Synthesizer, stampft selbstbewusst in die Spuren des Debütalbums und verabschiedet sich gegen Ende mit einem konfusen Saxophon in den Wahnsinn. Damit kommt die Nummer den herausragenden Momenten früherer FF-Tage so nah wie kein anderer Song auf "Always Ascending". Zum Schluss gibt es noch etwas melodramatische Todessehnsucht auf "Slow Don't Kill Me Now", und endlich erhebt Kapranos doch noch seine Stimme, schmachtet, säuselt.

Würde es all die Indie-Discos noch geben, die "Take Me Out" damals hoch- und runterspielten, wäre dies ein perfekter Rausschmeißer für die Morgenstunden. Leider entschädigen die letzten guten Minuten jedoch nicht für die Belanglosigkeit der ersten zwei Drittel des Albums. Immerhin erinnert man sich dann aber doch noch einmal: Mann, waren Franz Ferdinand vor 14 Jahren genial!

Arne Lehrke

Audio CD
Bewertungenttäuschend
CD-TitelAlways Ascending
Bandname/InterpretFranz Ferdinand
Erhältlich ab09.02.2018
LabelDomino
VertriebGoodtogo
Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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