Musik / CD

Frank Turner: SongbookWo Folk auf Punk trifft

"You're probably listening to me on some kind of portable stereo": Frank Turner durchbricht vom ersten Moment an die vierte Wand. Und er erklärt dem Hörer: Er ist in Feierlaune. "I want to dance" (aus dem Song "Four Simple Words") sind die magischen vier Worte, die auch als Leitmotiv für sein "Songbook" gelten können. Kurz bevor im Frühjahr sein siebtes reguläres Album erscheint, hat der punkigste aller Folk-Musiker auf einer Art Best-of-plus 18 Highlights seiner Karriere zusammengtragen, die alle seine Stärken vorführen.

Da ist "Wessex Boy", eine melancholische Folk-Ballade von einem Heimkehrer und dem paradoxen Gefühl zwischen Heimatliebe und Entfremdung, wenn alle alten Freunde weitergezogen sind. "Polaroid Picture" ist als Fortsetzung dieser Erzählung zu verstehen und lässt vor unserem inneren Auge gentrifizierte Straßenzüge entstehen, die zwischendurch zu einem alten Schwarzweiß-Bild zu verblassen scheinen. Und doch kommt der Song wie eine moderne Rocknummer daher. So gelingt Turners Liederbuch das Kunststück, trotz großer Bandbreite nie willkürlich zu wirken oder den roten Faden zu verlieren.

Die brandneue Komposition "There She Is" gibt es obendrauf. Wenn dieser Song die Marschrichtung für Turners nächstes Studio-Werk vorgibt, darf man die eine oder andere Herzschmerz-Ballade erwarten. Man fühlt sich an frühe Turner-Alben erinnert, insbesondere auch an die umfangreiche Abrechnung mit Ex-Freundin Amy.

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Die zweite Hälfte der Sammlung präsentiert als weiteren Mehrwert zehn Songs in Akustik-Versionen. Langjährige Fans wird es freuen, hier unterbewertete Titel wie "Broken Piano" zu finden oder Evergreens wie "Polaroid Picture" in ungewohntem Gewand ganz neu zu hören. Nur ausgerechnet der größte Turner-Evergreen "Photosynthesis" unterscheidet sich leider kaum vom Original.

In Kombination dürfte das Material auf "Songbook" alte ebenso wie neue Fans ansprechen, und es führt vor Augen, weshalb Turner nun seit über einer Dekade eine echte Folk-Hausmarke ist: Weil er, wenn er will, wunderbar tanzbar und energetisch klingt und sich vor der britischen Punk-Geschichte ebenso verneigt wie vor Stadionrock-Größen wie Bruce Springsteen. Dreht man ihm aber den Strom ab und nähert sich den harmonischen Grundbausteinen der Songs, wird klar, dass er im Grunde seines Herzens immer noch ein Singer/Songwriter ist und in diesen Momenten auch das Potential seiner Stimme am vollsten ausschöpft.

Am besten lässt sich die Attitüde dieses "Songsbooks" vielleicht umschreiben, indem man wieder zu den eröffnenden "Four Simple Words" zurückkeht: "Somebody told me that music with guitars / Was going out of fashion and I had to laugh / This shit wasn't fashionable when I fell in love / If the hipsters move on, why should I give a fuck?"

Mathis Raabe

Audio CD
Bewertungüberzeugend
CD-TitelSongbook
Bandname/InterpretFrank Turner
GenreSinger/Songwriter
Erhältlich ab24.11.2017
LabelVertigo Berlin
VertriebUniversal
Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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