Samstag, 21.04.2018
08:02 Uhr


Musik / CD

Xenoula: XenoulaEin Kunst-Rausch

Wo bleibt die Kunst, wenn die internationalen Pop-Sternchen sich jauchzend der Gefälligkeit hingeben? Wo bleibt die Kunst bei den Playbackshows in Multifunktionsarenen? Sie tritt in den Hintergrund und nistet sich immer öfter in urbanen Subszenen ein. Manchmal quillt die Kunst nach außen, aus den Kellern in Berlin, New York oder London. Zum Beispiel dann, wenn Romy Xeno singt. Mit 16 Jahren verlegte sie ihren Lebensmittelpunkt von einem südafrikanischen Dorf nach London. Als Xenoula hat sie gerade ihr Debütalbum veröffentlicht, das genauso heißt wie ihr Künstlername. Und wie klingt nun ihre Kunst?

Sie klingt schaurig. Sie klingt verschroben. Sie klingt psychedelisch. Die Kunst von Romy Xeno beinhaltet vieles, aber keine Ohrwürmer. Ihr Partner Sam Dust, der in verschiedenen Konstellationen als LA Priest oder Soft Hair Musik veröffentlicht hat, sorgt für Klangexperimente im Hintergrund.

Synths wabern da im Raum. Abgelöst werden sie von Musik, die auch in den 80-ern hätte veröffentlicht werden können, zumindest dem ersten Eindruck nach. "Caramello" zum Beispiel ist letztlich eben doch kein bunt schillernder Tanz-Song für Ex-Rollschuhfahrer, sondern wandelt sich ins Vertrackte, weil die Zwischentöne allzu eingängige Harmonien zerstören. Daneben tummeln sich verzerrte Gesangsfetzen, die ein wenig an den diesjährigen Dirty-Projectors-Hit "Keep Your Name" erinnern. Das ist gut, und das passt zum Gesang von Romy Xeno. Ihre hohe Stimme, die Feinfühligkeit vertont, gleitet über die elektronischen Art-Pop-Produktionen. Manchmal driftet alles ins Psychedelische ab. Dann wird geträumt.

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"Xenoula" ist ein Auf und Ab. Die Künstlerin findet einen Weg, mit Sounds und Gesang innere Zerrissenheit darzustellen. Manchmal klingt die Musik auch nach einem Drogentrip. Dabei wirkt das Album letztlich selbst wie eine dissoziative Droge. Der Geist wird vom Körper getrennt, wandert in den Raum, den das Album erzeugt und erhält Einblicke in die Gedankenwelt der Romy Xeno. Sie beschwört schließlich ihre Innenwelt, in der es zu brodeln scheint. Mit ihr gemeinsam empfindet man Liebe, die besteht oder sich verflüchtigt. Außerdem klingt die Unsicherheit durch, die einen Neuling in London durchfährt, und das Selbstbewusstsein, das es braucht, um überhaupt vom Dorf ins Moloch zu ziehen.

"Xenoula" ist deswegen Kunst, weil Romy Xeno dem Hörer etwas abverlangt und das Werk nicht unbedingt selbsterklärend ist. Es fordert auf zur Eigeninterpretation der eigentümlichen Klanggebilde. Würde Romy Xeno in einer Multifunktionsarena auftreten, dann müssten sich alle Zuhörer auf Matratzen auf den Boden legen, die Augen schließen und zuhören. Dann hätten sie die Kunst gefunden.

Johann Voigt

Audio CD
Bewertungausgezeichnet
CD-TitelXenoula
Bandname/InterpretXenoula
GenreAlternative/Indie
Erhältlich ab24.11.2017
LabelDomino
VertriebGoodtogo
Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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