Kino / Portraits

Kleiner Mann, ganz groß

Matt Damon spielt in der Komödie "Downsizing" (Start 18.1.) die Hauptrolle

Die Welt quillt über vor Menschen, als ein norwegischer Forscher die Lösung findet: Ein Verfahren zur Schrumpfung von Lebewesen. "Wie praktisch!", denken sich Paul Safranek (Matt Damon) und seine Frau Audrey (Kristen Wiig) und planen ihre Verkleinerung samt Umzug in ein schickes Domizil der Miniatur-Stadt "Leisureland". Doch dann kommt alles anders als gedacht, und Paul landet allein in seinem neuen Leben. Dort muss er schnell feststellen, dass die Probleme seines alten Lebens mit in das moderne Liliput gezogen sind. In Alexander Paynes ebenso lustiger wie nachdenklich stimmender Sozialsatire "Downsizing" (Start: 18.1.) läuft Hollywod-Star Matt Damon (47) zu Höchstform auf. Ein Gespräch über wahre Größe, Durchschnitt und Bandbreiten.

teleschau: Es ist diesmal eine außergewöhnlich kleine Rolle für Sie ...

Damon: Na ja, es ist immerhin die größte, kleine Rolle, die jemals gespielt wurde (lacht). Im Ernst: Ich traf Alexander Payne zum ersten Mal 1999 bei einer Veranstaltung der Paramount-Studios. Damals sagte ich ihm, dass ich wahnsinnig gerne bald mit ihm arbeiten würde. Dann haben wir uns 15 Jahre nicht wieder gesehen, bis er schließlich in mein Büro kam und fragte: "Erinnern Sie sich? Wir haben uns schon mal kennen gelernt ..." Ich meine, jeder Schauspieler wartet doch auf einen Anruf von Alexander Payne!

teleschau: Die bitterböse Geschichte fängt ja zunächst ganz gut an für Ihre Figur Paul Safranek. Er hofft mit seiner Frau im Miniaturformat ein neues Leben beginnen zu können. Warum kommt dann doch alles anders als geplant?

mehr Bilder

Damon: Ein zwölf Zentimeter kleiner Mensch verbraucht weniger Wasser, Luft und Nahrung als ein großer. Das hört sich doch erst einmal gut an. Außerdem wird das Leben entscheidend günstiger. Es reicht schon, sich seine Lebensversicherung auszahlen zu lassen, um den Rest des verkleinerten Daseins als wohlhabender Privatier bestreiten zu können. Soweit sind Audrey und Paul sich einig ...

teleschau: Sehen Sie "Downsizing" als Beziehungsgeschichte?

Damon: Das soll jeder Zuschauer für sich selbst entscheiden. Für mich ist es eine Liebesgeschichte mit sozialen Untertönen. Wie sich in unserer Gesellschaft alles immer nur um das Nehmen, Nehmen, Nehmen, niemals um das Geben dreht. Die Story erinnert einen daran, wie seltsam die Zeiten aktuell sind und dass wir alle sehr viel mehr auf unsere Welt achten sollten.

teleschau: Was ist Ihrer Meinung nach die wichtigste Botschaft, die "Downsizing" seinem Publikum vermitteln will?

Damon: Ich möchte da eigentlich gar keine Interpretationsrichtung vorgeben. Denn der Film enthält so viele Aussagen über verschiedenste Themen unserer Zeit. Er ist natürlich auch eine Metapher über die Menschlichkeit der Menschheit. Mir gefällt auch die Tatsache sehr, dass, wenn wir schrumpfen, alle unsere Probleme mit schrumpfen. Die zwischenmenschliche Dynamik der Menschen, Klassenkonflikte und anderes. Das alles bleibt in der Relation dann eben genau gleich. Es ist aber kein politischer Film in dem Sinne, das man ihn als republikanisch oder demokratisch verorten könnte.

teleschau: Und Sie verkörpern in dieser Rolle den perfekten Jedermann ...

Damon: Gleich bei unserem ersten Treffen damals befand Alexander Payne: "Weißt Du, was mir an Dir gefällt? Du siehst gar nicht aus wie ein Filmstar!" Die Dreharbeiten zu "Downsizing" schlossen sich für mich direkt an die des aktuellen Jason-Bourne-Films an. Und bereits während der letzten Drehtage dort schickte mir Alexander laufend SMS: "Ich hoffe, Du isst tüchtig Marshmallows und Spaghetti ... Denk dran, Du darfst nicht wie ein Actionheld aussehen, sondern wie ein Durchschnittstyp." Es ist ja für einen Schauspieler besser, wenn er privat kein besonderer Typ ist, weil einem dann einfach Rollen mit viel größerer Bandbreite angeboten werden. So richtig gut aussehende Typen werden selten den Klempner von nebenan spielen. Ich kann mit einer Baseball-Cap prima auf der Straße herumlaufen, weil ich unauffällig und nicht sehr groß bin. Ben Affleck sticht mit seinen gutaussehenden 1,90 Meter immer aus der Menge heraus. Da nutzt das Käppi wenig.

teleschau: Wie schwer ist es dann für den Durchschnittstypen Matt Damon auf der Leinwand auszusehen wie der gestählte Actionheld Jason Bourne?

Damon: Der Aufwand für diesen Look ist geradezu lächerlich hoch. Wer will denn schon freiwillig sechs Stunden am Tag in der Muckibude wuchten?

teleschau: Und welche Version von Ihnen hat Ihre Frau Luciana am liebsten neben sich auf dem Sofa sitzen?

Damon: Sie hat mich ja kennengelernt, als ich "Unzertrennlich" drehte. Für diese Rolle war ich damals, nun ja, etwas moppelig. Ich vermute also mal, dass sie eine große Bandbreite mag und Vielseitigkeit schätzt (lacht).

Kerstin Lindemann

Quelle: "teleschau - der mediendienst"

Versenden Drucken

Weitere Artikel


Film-Starts

Film-Archiv

Suche im Radio Berg Film-Archiv anhand eines Titels oder eines Darstellers nach Filmkritiken.

  
DVD-Filme

Erfahre mehr über die neu erschienenen DVDs in den aktuellen Besprechungen.

Ticketshop

Sicher Dir im Radio Berg Ticketshop die Tickets Deiner Wunschveranstaltung!

Anzeige
Zur Startseite